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Tuchfühlung 1 war ein großangelegtes Kunstprojekt des Kunsthaus Langenberg e.V. in der historischen Altstadt der Stadt Velbert - Langenberg in der Zeit vom 02. bis 27. August 1997 zum Thema "Die Haut – Das Gewand – Das Haus".

In dieser Zeit wurde die Stadt zur Kulisse und zum Gestaltungsobjekt. Langenberg besaß um die Jahrhundertwende eine internationale Bedeutung auf dem Gebiet der Herstellung und Verarbeitung von Seidenprodukten. Bis heute sind die Spuren einstigen Wohlstands im Stadtbild auffindbar. Das Konzept von "Tuchfühlung 1" sah vor, daß sich zahlreiche Künstlerinnen und Künstler dieses historischen Hintergrundes bedienen und sich über die Begriffe "Die Haut – Das Gewand – Das Haus" den "Hüllen" der Menschen gestalterisch nähern.

Das Projekt "T1" thematisierte die Hülle des Menschen und hier primär seine Perfektionierung im Laufe der Menschheitsentwicklung. Es zeigt sich, dass das Phänomen "Körper" als Teilaspekt des Gesamtthemas vielfach gebrochen aufgearbeitet wurde. Diese gebrochene Spiegelung begründete sich aus der Sache "Körperhülle" selber und den heterogenen Fragen, Zugangsweisen, Entwürfen, Modellen, Gefühlen, Umgangsformen, Bildern und Erfahrungen, mit denen die teilnehmenden Künstler an dieses Phänomen herangegangen sind.

Über 230 Künstlerinnen und Künstler gingen mit der Stadt Langenberg auf "Tuchfühlung" und suchten über ihre Arbeiten den Dialog sowohl mit dem historischen Umfeld als auch mit der Bevölkerung. Sie schufen nicht nur eine unter künstlerischen Gesichtspunkten hochkarätige Ausstellung, sondern auch ein die Kommunikation förderndes unvergleichliches Ambiente. Dieser künstlerische Erfolg wurde unterstrichen durch eine breite Medienpräsenz und durch weit über 150.000 Besuchern innerhalb der vier Ausstellungswochen.

Ein wesentliches Charakteristikum von "T1" war das große Engagement seitens der Künstlerinnen und Künstler sowie die Hilfe zahlreicher ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer bei der Vorbereitung und Durchführung des Projektes. Die rechtzeitige Einbindung der Bevölkerung in das ""nichtkünstlerische Umfeld" der Aktion schuf eine große Akzeptanz und hatte zur Folge, daß "T1" trotz der äußerst kontroversen Diskussion über künstlerische Inhalte von der Bevölkerung angenommen wurde.

Die große Akzeptanz und das breite Assoziationsspektrum des Ausstellungstitels "Tuchfühlung", sowohl bei den Künstlern als auch beim Publikum, haben die Initiatoren und Mitglieder des Kunsthaus Langenberg bewogen, "Tuchfühlung" als Titel für zukünftige Ausstellungsvorhaben beizubehalten und im Untertitel die Thematik des aktuellen Konzeptes zu konkretisieren.

Tuchfühlung 1

 

 

Zeltdorf

Begleitet wurde das Projekt "Tuchfühlung 1" von Konzerten, Performances und Theateraufführungen. Durchgeführt wurden Workshops und Diskussionsforen zur Kunst der Gegenwart. Den Schwerpunkt für Kinder und Jugendliche bildete ein gestaltetes Zeltdorf, in dem musiziert, Theater gespielt und unter Anleitung künstlerisch gearbeitet wurde.

Kinder und Jugendliche aus Kindergärten, Schulen, Kinderheimen und Jugendzentren übernahmen die künstlerische Gestaltung des Zeltdorfes. Das Kunsthaus Langenberg setzt darauf, mit Kindern und Jugendlichen zusammen, außergewöhnliche Kunstwerke zu errichten, Kunst als Möglichkeit der Verarbeitung von Wirklichkeitserfahrungen zu akzeptieren, die Bedingtheit unterschiedlicher visueller Zeichen bewußt zu erleben und die Befähigung zu fördern, sich mit eigenen und fremden Kunstwerken kritisch wertend auseinanderzusetzen. Das Projekt war so strukturiert, dass die Kinder und Jugendlichen über alle Phasen der Herstellung und Nutzung des Zeltdorfes aktiv waren. Sie lernten, Zelte als Lebensort und zeichenbesetztes Element einer umfassenderen Lebensgemeinschaft kennen. Zelte wurden als Lebensraum reflektiert und unterschiedliche Bauweisen erprobt. Die visuell-ästhetischen Handlungserfahrungen förderten einen von Respekt und Solidarität getragenen Umgang miteinander.